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Stilübergreifender Newsletter von Freya und Martin Bödicker 
 
 
Hallo liebe Taichi-Freunde,
 
hier kommen wieder ein paar News rund ums Tai Chi Chuan.
 
- Karl-Heinz Klug ist wieder online. Er hat seinen Neijia-Blog in ein Kampfkunst-ezine umgebaut. Schaut doch mal rein: http://www.kampfkunst-ezine.de/
 
- Auch diese Seite ist sehr spannend: http://www.taijischulen.de/
 
- Und wir waren auch fleißig. Auf www.taichi-finder.de findet sich jetzt ein Topic mit Links zur chin. Philosophie. Macht auch Spaß.
 
- Diese Info habe ich zugemailt bekommen. Dürfte den einen oder anderen interessieren:Chen Taiji-Videos und Bücher nach Chen Zhenglei nun auch offiziell in Deutschland erhältlich.
Als offizieller Vertriebspartner des Lehrmaterials für Chen-Taiji nach Großmeister Chen Zhenglei, bieten wir Euch die volle Palette sonst nur schwer erhältlichen Materials. Mit Fokus auf Großhandel suchen wir Vertriebspartner für den Endkundenverkauf. Über Eurer Interesse freuen wir uns. OMDAO - www.omdao.org/shop.php 
 
- Bei uns geibt es jetzt auch etwas ganz besonderes. Einen Druck einer Kalligraphie "Tai Chi Chuan" (siehe pdf). Die Kalligraphie ist auf feinstem sandfarbenen Papier (ähnlich Kalligraphiepapier) gedrückt und 35 * 50 cm groß. Die Qualität des Druckes ist so gut, dass schon einige Chinesen, die bei uns zu Besuch waren, an dem Druck geknibbelt haben, um zu sehen, ob sie echt ist. Geschrieben wurde die Kalligraphie von Huang Zhongjun aus Peking (von rechts nach links, wie auf Postern in China üblich). Er ist ein Kalligraph der Meisterklasse (Er hat die Kalligraphien für die Ehrengedenkbücher der VR China für Mao Tsetung, Zhou Enlai und Deng Xioaping geschrieben). Eigentlich kann man von ihm eine solche Kalligraphie gar nicht bekommen, aber wir sind in der glücklichen Lage, dass er der Schwager von Ma Jiangbao ist. Am besten sieht der Druck im Rahmen auf schwarzem Grund aus. Einfach Spitze. Mit Versand und MwSt. (19%) kostet sie 15,- Euro (billiger als der Rahmen). Geht leider als Päckchen, was zusammen fast 6,- Euro kostet - geht aber nicht anders. Bestellungen mit Adresse einfach an mich - geht mit Rechnung raus. 
 
- hier mal ein Nicht-Taichi-Literatur-Tipp:Sehr zu empfehlen, die Serie um den chin. Fengshui Detektiv C.F. Wong und seiner jungen australischen Assistentin Jo - echt der Kracher (in Englisch noch besser). Zu komisch, was die zwei so an interkulturellen Problemen und gleichzeitig an Fällen lösen. Tiefe Einsichten in das west-östliche Leben und auch noch spannend serviert. Von Nury Vittachi.
- und ein spitzen lü, oder ist es etwa cai: http://www.snotr.com/video/994 und eine Taichi-Vorführung der besonderen Art: http://uk.youtube.com/watch?v=6aw_IuXBpO0
 
- unten noch ein ganz alter Text von Ma Yueliang.
 
Viel Spaß beim Schmökern.
 
Gruß
 
Martin Boedicker
 
Das besondere des Taijiquan (1934)
Von Ma Yueliang und Chen Zhenming
Übersetzt von Freya und Martin Bödicker

Über die Namensgebung des Taijiquan ist man unterschiedlicher Meinung. Manche sagen:"Taijiquan ist sowohl eine Methode und Lehre der Selbstkultivierung, als auch ein Übung bei der man Ruhe in der Bewegung findet. Dies heißt, der Vereinigung von yin und yang zu folgen, was wiederum dem taiji entspricht. Taijiquan bedeutet, einer Methode und Lehre des Boxens zu folgen, die innen immer sammelt und außen ohne Form ist, wie das untrennbare yin-yang des taiji." Andere sagen:"Taijiquan hat diesen Namen, weil sich eine jede Bewegung an Kreisformen orientiert und der taiji-Grafik ähnelt. Daher heißt es Taiji." Beide Erklärungen sind wohlbegründet. Besonders die letzte Erklärung ist völlig hinreichend. Die Bewegungen des Taijiquan unterscheiden sich von der völligen Härte des Shaolinquan, denn ihr Herzstück sind Leere (xu), Ruhe (jing) und Natürlichkeit (ziran) und im Taijiquan gewinnt man durch Weichheit (rou). Als nächstes kommt eine genaue Analyse dieser Qualitäten.

1) Leer (xu) sein
Die Leere des Taijiquan hat nicht die Bedeutung der Nichtigkeit, sondern die des "nicht Substanz habens". Die Leere formt das Geistige. Das Geistige formt den menschlichen Geist (shen). Der Geist ist der Herrscher des Körpers und er ist von qi erfüllt. Natürlichkeit (ziran) in den Bewegungen führt zu Leichtigkeit und Gewandtheit.

2) Ruhig (jing) sein
Bei der Übung des Shaolinquan muss man extrem große Kraft verwenden. Das taugt nichts für den Menschen. Man kommt immer wieder außer Atem und am Ende ist man völlig erschöpft. Taijiquan ist nicht so. Mit seinen drei Aspekten des Körpers, des Herzens/Bewusstseins (xin) und der Vorstellungskraft (yi) versucht es die Kraft in der Ruhe zu finden. Je langsamer desto besser. Der Atem ist lang und das qi ist ins dantian gesunken. Dies ist ein Ausdruck der Ruhe des Körpers. Beim Üben muss alles in sich geschlossen sein. Ob Augen, Hände, Taille oder Füße, dies gilt von Kopf bis Fuß. Auch nicht das kleinste bißchen darf auseinandergehen. Dies ist der Ausdruck der Ruhe des Herzens/Bewusstseins (xin). Benutze die Vorstellungskraft (yi) und nicht die äußere Kraft. Wenn es eine Bewegung gibt, ist auch die Vorstellungskraft (yi) sogleich da. Das ist der Ausdruck der Ruhe der Vorstellungskraft (yi).

3) Natürlich (ziran) sein
Die Bewegungen des Taijiquan sind einfach ganz natürlich, wie die jin-Kraft reicht bis zum Scheitel, zurückgenommene Brust und gerader Rücken, entspannte Taille und gesenktes Becken, Schultern senken und Ellenbogen herabhängen lassen. Dies sind alles körperliche Aspekte. Sie sind vollkommen ungekünstelt und entsprechen unserem natürlichen Verhalten.

4) Weich (rou) sein
Beim Üben des Taijiquan ist es am wichtigsten, den Einsatz von Kraft zu vermeiden. Es ist von fundamentaler Bedeutung, dass der ganze Körper entspannt ist. Das qi und das Blut sind miteinander verbunden. Auf Dauer führt das natürliche Üben zur inneren jin-Kraft. Diese innere jin-Kraft ist sehr weich. Wenn man auf den Gegner trifft, wird man sich mit ihr unmissverständlich zur Wehr setzen, indem man der Kraft des Gegners elastisch folgt. So findet man in der Weichheit den Charakter der Härte. In den Klassikern heißt es dazu:"Höchste Weichheit führt zu höchster Härte."
 
Copyright Bödicker GbR 2008
 

Das Flow-Erleben im Tai Chi Chuan

von Freya und Martin Bödicker

Tai Chi Chuan wird oft als Meditation in der Bewegung bezeichnet. Mit diesem Merkmal, der Gleichzeitigkeit von körperlicher Handlung und dem Erreichen eines meditativen Bewusstseinszustandes ist Tai Chi Chuan berühmt geworden. Diese Verschmelzung von innerer Ruhe und äußerer Bewegung führt zu einem speziellen Empfinden. Man ist ganz im hier und jetzt, hochgradig konzentriert. Alle Sorgen des Alltags sind vergessen und man fühlt sich einfach gut. Der eigene Körper, die Atmung und die Wechsel der Bewegungen werden wahrgenommen, ohne dass man sich darauf konzentriert. Ein inneres Erleben dieser Art beoachtete Mihaly Csikszentmihalyi auch bei Menschen, die ganz allgemein einer künstlerische Tätigkeit nachgingen. Er benannte diese Zustand als Flow-Erleben und versuchte ihn nachfolgenden Untersuchen näher zu bestimmen.

Erste Ergebnisse seiner Studie zeigten, dass viele Künstler auch ohne Aussicht auf Reichtum oder Berühmtheit ein beachtliches Ausmaß an Zeit und Anstrengung in ihre künstlerische Tätigkeit investierten. Keine der Belohnungen, die im normalen Arbeitsleben zur Motivation von Mitarbeitern angewendet werden (Geld, Anerkennung) spielten eine Rolle. Es lag also keine externe Motivation vor. Die künstlerische Handlung wurde um ihrer selbst willen ausgeführt. Die Motivation muss in den Merkmalen der Tätigkeit selbst zu finden sein. Man spricht deshalb von intrinsischer Motivation.

In seiner weiteren Arbeit fragte sich Mihaly Csikszentmihalyi, welches inneres Erleben ein durch intrinsische Motivation ausgelöstes Handeln hervorbringt und welche Faktoren die intrinsische Motivation beeinflussen. Dazu wurde eine Untersuchung an 200 Personen durchgeführt, die viel Zeit mit intrinisisch motivierten Aktivitäten, wie z.B. Schachspielen, Felsklettern, Tanzen, Basketball und Komponieren verbrachten. Es zeigte sich, dass viele Teilnehmer ihr Erleben als ein umfassendes Gefühl des völligen Aufgehens in der Tätigkeit, als einheitliches „Fließen" beschrieben. Diesen Zustand bezeichnet Mihaly Csikszentmihalyi als „Flow". Das Flow-Erleben kann durch folgende Komponenten näher beschrieben werden:

Ich und Handlung werden als Einheit empfunden

Die gesamte Konzentration ist auf die Handlung ausgerichtet

Die eigenen Gedanken rücken völlig in den Hintergrund

Verstärkte Wahrnehmung des eigenen Körpers und der Umgebung

Es stellt sich ein Gefühl der Kontrolle über die jeweilige Situation ein

In seiner weiteren Erforschung des Flow-Erlebens findet Mihaly Csikszentmihalyi folgende Bedingungen, die für das Flow-Erlebnis notwendig sind:

Passung von Fähigkeit und Anforderung (nicht zu schwer – nicht zu leicht)

Klares Ziel bzw. Aufgabenstellung

Schnelles Feedback auf das Handeln

Ich denke, auch im Tai Chi Chuan ist ein Flow-Erlebnis oft zu beobachten. Die Theorie von Mihaly Csikszentmihalyi gibt uns nun Hinweise, wie beim eigenen Üben des Tai Chi Chuan das Flow-Erleben leichter erreichen kann. Hier ein paar Vorschläge:

Sich vor dem Üben ein klares Ziel setzen, z.B. ich versuche die Schultern zu entspannen.

Ich wähle Bewegungen oder Formen die meinem Lernstand und meiner aktuellen körperlichen und geistigen Situation angemessen sind.

Beim Üben einzelner Bewegungen versuche ich ein Gefühl für die Bewegungen zu finden und korrigiere sie bei Bedarf.

Neben dem Verbessern des eigenen Übens kann man aber auch das Erlernen des Tai Chi Chuan so gestalten, das ein Flow-Erlebnis erfahren werden kann. Voraussetzungen sind hier:

Die zu erlernenden Bewegungen sollten im Schwierigkeitsgrad zu den Fähigkeiten des Übenden passen.

Die Korrekturtiefe des Unterrichts muss zu den Fähigkeiten des Übenden passen.

Die Korrektur einer Bewegung muss klar und deutlich definiert sein.

Es muss ein schnelles Feedback auf die Übung durch den Lehrer oder durch das eigene Gefühl erfolgen

Das Flow-Erlebnis in der Tai Chi-Gruppe ist sicherlich etwas ganz besonderes. Nicht umsonst stellt man so oft fest:Je langsamer man sich bewegt, desto größer ist das innere Erleben und desto schneller ist die Zeit um.

Copyright Bödicker GbR 2008